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Das Lernziel muss der Mensch sein!

Kommentar von Konrad Scheib

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Auf der ersten Seite der ZEIT Ausgabe 12/2018 findet sich ein beachtlicher Artikel von Manuel J. Hartung. Die Headline lautet: „Deutschland muss ein Chancenland werden“. https://www.zeit.de/2018/12/bildung-schule-chancengleichheit-digitalisierung – Hartung gibt eine schonungslose Bestandsaufnahme zur Situation der Bildungsnation Deutschland.

Die Schlüsselstellen dabei lauten:

  • „Es reicht nicht aus, den Schulen mehr Geld zu geben oder an ihren Strukturen herumzudoktern.“
  • „Was und wie Schüler lernen, muss völlig neu erfunden werden.“
  • „Und von außen stürmen die Digitalisierer auf die Schulen ein.“
  • „Die alte Logik des Bildungswettbewerbs  –wer mehr weiß, ist erfolgreicher–  funktioniert nicht mehr.“
  • „Den Wissenskampf gegen den Computer kann der Mensch nur verlieren. Bildungserfolg heißt künftig: Neues entdecken und es durch Wissen einordnen.“
  • „Die Neuerfindung der Schule beginnt mit drei Fragen: Was sollen Schüler lernen? Wie? Und mit wem?“
  • „Der alte Fächerkanon zerbricht.“
  • „Schüler sollten vor allem das lernen, wodurch sie sich von Maschinen unterscheiden. Teamarbeit, Kunst, Musik.“
  • „Schulen sind im Kern noch wie vor 60 Jahren“

Die Analyse und die Perspektive von Manuel J. Hartung decken sich mit den jahrzehntelangen Erfahrungen und den Zielen des Studienhauses Landau. Wir erleben bei unseren Besuchen und Gesprächen mit Bildungsschaffenden aus den Universitäten, den Schulen und den Betrieben, dass eine klassische schulische Laufbahn nicht mehr dafür sorgt, unsere Jugendlichen gut auf die Studentenzeit und die Berufswelt vorzubereiten und auch, sie zu meinungsstarken Persönlichkeiten unserer Gesellschaft zu bilden. Genau diese Erkenntnis war vor vielen Jahren das Motiv, mit dem Instrument des „Intelligenten Lernens“, der aktuellen Situation unserer Bildungslandschaft zu begegnen.

Abiturienten fehlt es oft an Orientierungswissen. Sie haben immer nur funktionieren müssen, statt auch kritisch das Nachdenken zu trainieren. Das Ergebnis sind Abiturientinnen und Abiturienten, die, auch wenn sie in der Schule gut sind, trotzdem oft nicht wissen, wer sie sind und wohin sie wollen. Die Art und Weise G8 einzurichten hat zu dieser Unreife zusätzlich erheblich beigetragen.

Junge Menschen (manche Alten mittlerweile auch wieder) suchen nach überzeitlichen Werten und wertvollen Strukturen und Orientierungsmarken. Stattdessen finden Sie Chaos, Angst, Sorge und zeitlose Umwälzung in ungleichen Geschwindigkeiten. Begleitet werden diese Prozesse von einer zwangsläufigen Digitalisierung, einem maßlosen Überfluss und einer schleichenden Wohlstandsverwahrlosung.

Dem gegenüber stehen alleingelassene, völlig überforderte Lehrpersonen, die zu viele gesellschaftliche Aufgaben erfüllen sollen und bei ihrer Arbeit auch noch mit dem Smartphone konkurrieren dürfen. Dabei sorgen Ergebnisse und Noten nur noch als Regulativ für die Disziplin im Klassenzimmer. Dabei ist schulisches Lernen doch „Kuchen backen“, nicht „Kuchen verteilen“!

Und dann gibt es da noch Eltern, die aus Sorge und Angst vor der Zukunft im Hamsterrad rotieren und vergessen, dass sie die einzigen sind, die ihr Kind lieben, nur weil es dieses Kind gibt und nicht, weil es irgendetwas kann oder nicht kann!

Es gibt in Deutschland mittlerweile etwa 19.000 unterschiedliche originäre Studiengänge. 90 % aller Wissenschaftler, die jemals auf der Erde gelebt haben, leben heute. Jeden Tag erscheinen, nur in Deutschland, etwa 700 Bücher. Es gibt auf der Erde etwa 100.000 regelmäßig erscheinende wissenschaftliche Zeitschriften, in denen etwa 10 Mio. Aufsätze publiziert werden. Wissen nimmt exponentiell zu und ist durch die Digitalisierung überall verfügbar. Die Anforderungen, unseren Überfluss konsumieren zu können, steigen. Dies gelingt oft nicht. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft in der schon ca. 10% aller Grundschüler Existenzängste haben. Eine Gesellschaft, in der wir Kinder millionenfach mit Drogen (Methyphenidat u.a. Ritalin) vollstopfen, um ihr gerecht werden zu wollen. Eine Gesellschaft mit einer Bedrohung der Zivilität (Banalisierung der Demokratie, Angst, Vernichtung der Lebensgrundlagen durch Naturzerstörung, usw.).

Es wird perspektivisch eine wichtige Schlüsselkompetenz werden, sich in einer Welt mit Optionenvielfalt und Überfluss zu Recht finden zu können. Dies schaffen unsere Kinder nur, wenn wir ihnen die Möglichkeit eröffnen, eine Identität zu bilden. Bildung als Identitätsfindung ist die beste Vorbereitung auf das Leben.

Das Studienhaus begegnet dieser sich wandelnden Bildungslandschaft durch eine Pädagogik, die den Menschen zum Lernziel hat und ihn auf seine Zukunft vorbereiten möchte. Deshalb sind LernErlebnisKurse und der OberstufenCampus wichtige, Orientierung gebender Bestandteil einer guten Bildung. Diese Instrumente versuchen, neben der klassischen Erwartung nach der Auseinandersetzung mit Fächerwissen, unsere Schülerinnen und Schüler in Ergänzung zu dem, was Schule kann, ganz konkret mit Bildung zu versorgen. Bildung ist dabei ein aktiver, kreativer Prozess der Identitätsfindung. Wer bin ich? Welche Ziele möchte ich verfolgen? Und warum ist das so? Die Studienhaus-Angebote liefern dazu mit ihrer Multiperspektivität nützliche Erfahrungen, um eigene Ziele zu erkennen und zu realisieren.

Immer zu Ostern haben wir etwa beim OberstufenCampus in Freiburg und in Baden-Baden, oder beim LernErlebnisKurs für die Sekundarstufe I in Baden-Baden, mit der entsprechenden Fachdidaktik zunächst das Fachwissen im Blick. Dabei ist es enorm wichtig, Ergebnisse durch Wiederholung und durch Üben zu verankern und vor allem, individuelle Lernprozesse zu reflektieren. »Wie ist es zu dem Ergebnis gekommen? « ist dabei eine zentrale Frage. Das Wiederholen und das ungezwungene Üben zur Sicherung des Gelernten kommen in der Schule zu kurz. Mit einer guten Analyse und Standortbestimmung und mit dem richtigen Lehrer an der Seite lässt sich aufbauen. Auf eine gründliche Bestandsaufnahme folgt die Bewertung. Und die kann auch motivieren. Dann nämlich, wenn sie auch stärkenorientiert ist. Die Schule zeigt uns immer, was nicht funktioniert hat, sie ist schwachstellenorientiert. Wir wollen auch schauen, was gut war und gut geklappt hat. Beruf und Universität sind stärkenorientiert. Dort muss man zeigen, was man kann. An welchem Standort befinde ich mich? Wie bin ich dahin gekommen? Mit welchen Schwächen, aber auch mit welchen meiner Stärken?

Handlungswissen und Metawissen beleuchten wir bei den LernErlebnisKursen als eigenständiges Unterrichtsfach „Intelligentes Lernen“, oder beim Intensiv-Kurs „Intelligentes Lernen für die Oberstufe“. Dort lernen wir gute Lerntechniken und Arbeitsmethoden kennen und beschäftigen uns auch mit immer wichtiger werdenden Aspekten des digitalen Lernens. Zusammen mit Lernprofis vom Studienhaus, aber auch mit externen Beratern, verbessern wir bei Planspielen und Kursprojekten aus der Lebenswelt der Jugendlichen unser Repertoire an Arbeitstechniken und Lernstrategien. Hierbei orientieren wir uns schon an den Arbeitsweisen von Universitäten. Das heißt: Neues Wissen wird nicht verteilt, sondern entsteht beim Lernprozess! Beim OberstufenCampus wagen wir auch schon mit einem Besuch der Universität in Basel, mit Vorlesungs- und Bibliothekbesuch, den Blick in die Universitätslandschaft und prüfen, welche Kompetenzen dort gefragt sind.

LernErlebnisAngebote üben, beobachten, kommunizieren, agieren, inspirieren, konstruieren, recherchieren, dokumentieren, formulieren, redigieren, stellen dar, präsentieren, organisieren, motivieren und planen. Dabei coachen wir mit jedem Einzelnen die individuell richtigen Lerntechniken und Arbeitsstrategien. Jeder lernt seinen Methodenpool kennen und verbessert seine Arbeitsweise. Im Transfer aus diesen spannenden KursProjekten, hinein in die Schullandschaft, gewinnen die Teilnehmenden individuell wertvolle Erkenntnisse zum gelingenden Lernen!

Beim OberstufenCampus entsteht zusätzlich, in selbst bestimmten Denkräumen, neues sinnvolles Handlungs- und Metawissen für jeden. Potenzielle Denkräume in Workshops, Vorträgen, Debatten und Seminaren sind dabei:

Umgang mit Optionenvielfalt
Zu viel ist zu viel! Generalisieren, Objektivieren, Verdichten.

Was mache ich mir aus Zeit?
Langeweile, Anfangen, Resonanz, Zeitgefühl, Analyse, Handeln, Vergessen.

Wie geht Planung?
Bestandsaufnahme, Bewertung, Ziele, Maßnahmen, Entscheidungstraining.

LernErlebnisAngebote sind eine gute Ergänzung zur Schule und ein Beitrag zur Entwicklung meinungsstarker Persönlichkeiten! Wir haben für die Schülerinnen und Schüler wichtige MethodikBausteine intelligent zusammengestellt, welche den Jugendlichen helfen sollen, sich auch auf die Zeit nach der Schule besser vorzubereiten. Dadurch entsteht vernetztes, selbstbewusstes Basis-, Struktur- und Orientierungswissen.

Das Lernziel dabei ist im Sinne von Gottfried Wilhelm Leibniz der Mensch selbst, der bewusste Gestaltungsspielräume braucht, um sich selbst und sein Handeln gut vergleichen zu können.

 

Konrad Scheib
Studienhaus Landau, Institut für Intelligentes Lernen