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Was kann man von einem Luftballon lernen?
„Phasen einer Prüfungsvorbereitung“
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Die Phasen einer Prüfungsvorbereitung lassen sich vergleichen mit dem Aufpusten eines Luftballons:

Phase I – Tief Luft holen und den ersten Puster einsetzen: Diesem ersten Kraftakt setzt der Luftballon noch sehr viel Widerstand entgegen – und das sichtbare Ergebnis ist noch ziemlich mickrig.

Phase II – Die nächsten Puster sind schon deutlich weniger anstrengend und sie führen rasch zu einem sichtbaren Ergebnis.

Phase III – Nach einer Reihe von erfolgreichen Pustern heißt es aufpassen. Die nächsten Puster müssen gut dosiert werden. Wie viel Luft passt noch hinein? Wann höre ich am besten auf? Wann droht der Ballon zu platzen?

Phase IV – Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, mache ich einen Knoten drunter und betrachte stolz den prächtigen Luftballon. Macht es hingegen „Peng!“ fange ich von vorne an und passe beim nächsten besser auf. Denn mit einem einzigen Stück ist es für eine Prüfung ohnehin noch nicht getan. Auch eine Prüfungsvorbereitung besteht in aller Regel aus mehr als einem einzigen Versuch. Ein einziger Luftballon als Dekoration für eine Party wäre ja auch ziemlich dürftig.

Für das Aufblasen eines Luftballons, ohne Einsatz von technischen Hilfsmitteln, sind zwar ein paar Voraussetzungen erforderlich, aber keine ausgesprochene Begabung. So ist es auch in vielen anderen Disziplinen, in denen man etwas kann. Wer sich auf eine Prüfung vorbereitet, will/soll/muss/darf ja beweisen, dass er etwas kann.

Wer die Prüfung nur als notwendiges Übel sieht, hat es allein dadurch schon sehr viel schwerer mit der Vorbereitung. Denn statt einer Prüfungsmotivation, mit der man sich einer Leistungsmessung stellen will, machen sich möglicherweise Versagensangst und Vermeidungsstrategien bemerkbar.

Wer sich ständig vor dem Versagen fürchtet, wer sich dauernd einredet, etwas nicht zu können, weil ihm Talent und Begabung einfach fehlen, bekommt neuerdings einen (im Grunde altbekannten) Korrekturhinweis: „Bisher existiert kein überzeugender Beweis, dass besondere Fähigkeiten angeboren sind“, sagt etwa der Psychologe Anders Ericsson von der Florida State University, der als einer der weltweit führenden Talentforscher gilt. Er hat herausgefunden, dass spezielle Fertigkeiten wie Malen, Programmieren oder Radfahren nicht genetisch bedingt sind, sondern einzig und allein durch Üben erworben werden. Talente werden nicht gefunden, sondern geschaffen. Angeboren sind wohl bestimmte geistige Leistungen wie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, aber Gene legen nicht einmal fest, wie intelligent ein Mensch wird. Zwillingsstudien zeigen zwar, dass die Höhe des IQ zu einem gewissen Grad angeboren ist, aber in stärkerem Maße gilt: Intelligenz ist Übungssache. Das jedenfalls fand Der Sozialpsychologe James Flynn (Neuseeland) heraus. Und die Lernforscherinnen Christiane Fischer-Ontrup vom Internationalen Centrum für Begabungsforschung in Münster sowie Elsbeth Stern von der ETH Zürich stellen übereinstimmend fest: Für den Lernerfolg ist Leistungsbereitschaft wichtiger als Intelligenz. Entscheidend für das Gelingen ist, dass jemand das, was er tut, gerne tut.

Wer nur das macht, was er unbedingt tun muss (also nur das Nötigste), findet keine Freude an seiner Arbeit. Wenn ich aber von mir aus, das heißt freiwillig, mehr tue, als ich tun muss, bewahre ich mir meine persönliche Freiheit.

Zu einer guten Prüfungsvorbereitung gehört auch, dass ich mir nichts vormache und keine Sprüche mache. Manchmal bringt es aber trotzdem ein lockerer Spruch auf den Punkt: Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt.

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Aus: Wolfgang Endres und Konrad Scheib  – Prüfungsvorbereitung, Zeit- und Arbeitsplanung in der Sekundarstufe II – Beltz
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Konrad Scheib
Studienhaus Landau, Institut für Intelligentes Lernen